Das Salz in der Suppe

Volkssport am 4. Januar 2012 um 23:29

Der Winter hält sich zur Zeit zwar noch zurück, dennoch setzt die Bundesliga aufgrund der Winterpause aus. Die willkommene Auszeit wird schon bald wieder der Vorfreude auf den ersten Rückrundenspieltag weichen. Der FC wird zu diesem Anlass in der VW-Stadt Wolfsburg antreten. Wer die Geißbockelf im Stadion unterstützen will, muss  12,- Euro für einen Stehplatz und zwischen 19,- und 28,- Euro für einen Sitzplatz zahlen. Natürlich rollt auch in anderen Bundesligastädten der Ball, die Preise sind allerdings höchst unterschiedlich. Wenn die Bayern den Spieltag in Mönchengladbach eröffnen, so hat jeder Inhaber einer Sitzplatzkarte 20,- Euro Zuschlag für dieses Topspiel gezahlt. Besonders für die Fans der Gastmannschaft kommt neben Anreise und dem Eintrittspreis ein weiterer  beachtlicher Kostenfaktor hinzu.

Diese Preisgestaltung ist jedoch kein Einzelfall, der Hamburger Sport-Verein unterteilt seine Spiele nach Attraktivitätskategorien und dementsprechend variieren die Preise. So zahlten die Nürnberger für einen Sitzplatz der Preisklasse 5 20,- Euro, während die BVB-Fans 36,- Euro für die selben Plätze zahlen sollen. In höheren Preissegmenten liegen die Unterschiede bei beinahe 30,- Euro. Diese krassen Unterschiede in der Preisgestaltung haben die aktive Dortmunder Fanszene jetzt dazu bewogen, das Spiel zu boykottieren. Es ist sicher nicht leicht, dem Spiel seines eigenen Vereins fernzubleiben, aber es ist die letzte Möglichkeit, öffentlichen Druck zu erzeugen, um auf die Vereine einzuwirken. Die durchschnittliche Auslastung aller Bundesligisten betrug in der abgelaufenen Saison ca. 90 %, allerdings muss Fußball bezahlbar sein, damit diese Quote nicht sinkt.

Diesen Leitspruch hat sich die Kampagne „Kein Zwanni für nen Steher“ auf die Fahne geschrieben und kämpft für die faire Gestaltung von Eintrittspreisen in Deutschland. Ein solches Anliegen geht sicherlich alle Fußballfans etwas an und dementsprechend breit fächern sich die Unterstützer durch die Fanlandschaft. Ein Blick nach England zeigt, wie wichtig es ist, sich frühzeitig für Faninteressen und die Fankultur einzusetzen. Im Mutterland des Fußballs gehören viele Selbstverständlichkeiten wie Stehplätze längst der Vergangenheit an und Dauerkarten in London kosten teilweise über 2000,- Euro. Sicherlich sind 1:1-Vergleiche nicht unbedingt angebracht, da es zu viele Variabeln gibt. Trotzdem liegt es an uns dafür zu sorgen, den Fußball und insbesondere die Bundesliga nicht zu einem unbezahlbaren „Produkt“ werden zu lassen.

Auch aus Sicht der Fans darf man jedoch nie vergessen, dass die Einnahmen aus dem Spielbetrieb durchschnittlich über 20 % Anteil an den Erträgen der Bundesligaclubs haben und somit ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Finanzierung und Wettbewerbsfähigkeit der Vereine sind. Es gilt einfach durch Kompromisse eine sozialverträgliche Preisgestaltung mit ausreichenden Einnahmemöglichkeiten zu erzielen. Besonders auf Kosten der Fans eines möglicherweise attraktiven Gegners sollte sich kein Verein bereichern. Besonders die Fans des Rekordmeisters können ein Lied davon singen, in fast jedem Bundesligastadion mehr zahlen zu müssen aufgrund der Anziehungskraft ihres Lieblingsvereins. So mussten die Bayernfans über den gesamten Zeitraum der Saison  2009/10 für Stehplätze beziehungsweise die günstigste Sitzplatzkategorie 54,- Euro mehr zahlen als die Anhänger des VfL Bochum.

Eine gewisse Tendenz lässt sich also auch in Deutschland nicht verleugnen und in erster Linie liegt es an uns Fans, sich bei unseren Vereinen gegen überhöhte Preise, undurchsichtige Gestaltungen und überzogene Zuschläge einzutreten. Besonders wichtig ist dabei die Solidarität unter allen Fans und der Einsatz für die Gästefans im eignen Stadion. Topspielzuschläge für Gästefans dürfen kein Mittel der Umsatzsteigerung sein. Ausverkaufte Stadien und volle Gästeblöcke sind schließlich das Salz in der Suppe und machen viel von der Faszination Fußball-Bundesliga aus. Während die TV-Einnahmen nämlich leicht sinken, hängen auch die Werbeeinnahmen nicht in geringem Maße von der Zuschauerzahl in den Stadien ab.

Albträume aus 1001 Nacht

Volkssport am 5. Dezember 2011 um 16:15

Die diesjährige Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln bot mal wieder eine Menge Zündstoff. Der Vorstand ist zurückgetreten, unter den Mitgliedern kam es zu Handgreiflichkeiten und sachliche Debatten zu strittigen Themen gingen in der hitzigen Atmosphäre unter. Besonders am Ende der langen Versammlung wäre eine solche Debatte angebracht gewesen. Es ging wie so oft im deutschen Profifußball um die sogenannte 50+1-Regelung. Die Grundlagen und Hintergründe dieser Regel dürften bekannt sein. Ein Antrag auf der Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln zielte darauf hin ab, dass sich die Führung unseres Vereins beziehungsweise der KGaA innerhalb der DFL dafür einsetzt, dass diese Regelung in Zukunft ohne Ausnahmen für die Werksvereine aus Leverkusen und Wolfsburg umgesetzt wird.

Anlass für diesen Antrag sind die Bestrebungen von Hannovers Präsident Martin Kind, der seit Jahren für eine Aufhebung der besagten Regelung kämpft. Sicherlich kann man mit Herrn Kind einer Meinung sein und die ungerechten Wettbewerbsvorteile der Konstrukte aus der VW-Stadt sowie vom Autobahnkreuz anprangern. Aus diesem Grund würde die Deutsche Fußball Liga gerne diese Ausnahmeregelung aufheben und jedem Club den Einstieg von Investoren erlauben, sofern dieser Investor bereits 20 Jahre in Verbindung zum Mutterverein steht. Das Tor für die Übernahme von Vereinen würde also weiter aufgestoßen.

Aktuell zeigen zwei Beispiele, zu welchen Auswüchsen solche Entwicklungen führen können. In England schickt sich der Traditionsverein Manchester City an die Vorherrschaft des Stadtrivalen United zu brechen. Aus diesem Grund nimmt der arabische Investor Mansour Bin Zayed Al Nahyan Unsummen von Geld in die Hand, um den Kader des Teams stetig zu verbessern. Diese Bemühungen führten zu einem Verlust von gigantischem Ausmaß und im vergangenen Geschäftsjahr „erwirtschafteten“ die Citizens einen Fehlbetrag von 228 Millionen Euro. Dagegen wirken die Verluste der TSG Hoffenheim unter Alleinherrscher Dietmar Hopp zwischen 2007 und 2010 in Höhe von 95 Millionen Euro geradezu mickrig.

Im Rahmen der neuen UEFA-Richtlinien zum Financial Fair Play dürfen solche Summen nicht mehr von einzelnen Mäzenen aufgebracht werden. Der Club darf also salopp gesagt nur noch so viel ausgeben, wie er einnimmt. So erhält ein Sponsor für seine finanzielle Unterstützung eine Gegenleistung in Form von Werbung. In Manchester haben sie die Zeichen der Zeit erkannt und wollen das Engagement des Investors jetzt zum Teil durch eine Fluglinie übernehmen lassen. Dieses Unternehmen befindet sich unter anderem im Besitz des Scheichs. Gefahren bergen solche Geschäftsmodelle natürlich dadurch, dass Investoren möglicherweise plötzlich die Lust am Fußball verlieren und ihre Unterstützung schnell zurückziehen können. In diesem Falle bestünde dann die Möglichkeit, Anteile weiter zu veräußern. Anschließend könnte ein potentieller Investor andere Interessen als die Finanzierung eines exklusiven teuren Kaders mit dem Ziel, sportlich möglichst erfolgreich zu sein, verfolgen. Spielverkäufe, die Erhöhung von Eintrittspreisen oder die Veräußerung von Wappen und Vereinsnamen könnten einige Beispiele einer anderen Geschäftsphilosophie sein. Die eigentlichen Interessen eines Fußballvereins müssen also nicht zwangsläufig mit dem Interesse eines Investors übereinstimmen.

In Deutschland lässt sich dieses negative Phänomen aktuell beim TSV 1860 München beobachten. Während der FC Bayern in Deutschland eine ähnliche Stellung wie ManU in England besitzt, sind die Löwen meilenweit vom sportlichen Erfolg des blauen Teams aus Manchester entfernt. Im Frühjahr dieses Jahres schienen bei 1860 sogar alle Lichter auszugehen, bis die Vereinsführung ein Investorenmodell vorstellte, mit dem die Existenz des Vereins gesichert zu sein schien. Der Investor erwarb 60% der Anteile an der Spielbetriebsgesellschaft und erhielt im Gegenzug aber nur 49% der Stimmrechte. Somit hatte der Verein mit 51% weiterhin die Stimmmehrheit auf seiner Seite und die DFL gab nach zähen Verhandlungen grünes Licht. Sämtliche Vertragsvereinbarungen und Geflechte innerhalb dieses Gebildes würden an dieser Stelle den Rahmen sprengen und die Grundlage für eine Doktorarbeit bieten.

Der Investor übernahm sämtliche Verbindlichkeiten des Clubs; die Zukunft schien gesichert zu sein. Mittelfristig sollte auch eine Rückkehr in die Bundesliga angestrebt werden, andernfalls kann 1860 München auch gar keine schwarzen Zahlen schreiben. Als Gegenleistung wurden Herrn Ismaik umfangreiche Rechte bei der Besetzung von Gremien und der Geschäftsführung eingeräumt. In Folge dessen hat sich in den letzten Wochen ein Konflikt entwickelt, der kaum lösbar scheint. Während die Löwen gerne neue Spieler verpflichten würden, will der Investor nur Geld zur Verfügung stellen, wenn der Verein diese Zahlungen als Verbindlichkeiten verbucht. Die Schuldenlast würde sich also vergrößern und der Verein immer abhängiger von einer Person werden. Die Vereinsführung wehrt sich mit Händen und Füßen gegen diese Praxis, während die Geschäftsführung sich auf die Seite des Investors schlägt und die Interessen der Kapitalgesellschaft betont. Einer der traditionsreichsten Vereine Deutschlands scheint die Geister, die er rief, also nicht mehr loszuwerden.

Die Interessen des Investors liegen deutlich auf der Hand, er will mit seinem Objekt schnellstmöglich Gewinn machen und in der Bundesliga für Furore sorgen, um sich in der Öffentlichkeit Anerkennung zu verdienen. Die Risiken für den Verein scheinen ihn dabei herzlich wenig zu kümmern. Die gewachsene Tradition und die Verpflichtung gegenüber den vielen Fans und Mitgliedern, den Verein in seiner Existenz nicht zu gefährden, sind ihm fremd.

Ruhe in Frieden, Mucki!

Volkssport am 17. November 2011 um 11:03

Heute vor 20 Jahren, am 17.11.1991, verunglückte Maurice „Mucki“ Banach auf dem Weg zum Training tödlich. Der FC-Stürmer war aus seiner Heimatstadt Münster unterwegs zum Geißbockheim. Sein Wagen kam auf der A1 in Höhe Remscheid von der Fahrbahn ab, prallte gegen einen Brückenpfeiler und brannte aus. Die Umstände des tragischen Unfalls wurden nie endgültig aufgeklärt. Sein Tod war nicht nur ein Schock für alle Beteiligten rund ums Geißbockheim, sondern für die gesamte Fußballwelt. Er galt als eine der größten Sturmhoffnungen im deutschen Fußball und führte zum Zeitpunkt seines Todes die Torschützenliste der Bundesliga an. Seinen Vertrag beim 1. FC Köln hatte er kurz zuvor bis 1995 verlängert. Banach war vor der Saison 1990/91 von Wattenscheid 09 zum FC gewechselt und spielte sich mit seinem unnachahmlichen Torriecher schnell in die Herzen der Fans. Doch nicht nur seine fußballerischen Qualitäten, sondern auch seine liebenswerte Art machten ihn schnell zum Publikumsliebling in Köln-Müngersdorf. Viele Fans der jüngeren Generation haben „Mucki“ nie erleben dürfen und trotzdem ist die Erinnerung an ihn auch heute noch präsent.

Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten!

Quo vadis FC?

Volkssport am 3. November 2011 um 22:41

Die Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln nähert sich mit großen Schritten und die Wahl des Verwaltungsrates unseres Vereins sollte dabei ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Die Vereinsführung würde diesen Vorgang allerdings gerne nach ihren Vorstellungen gestalten und sämtliche ihrer Kandidatenvorschläge in dieses Gremium bringen. Sicherlich ist diese Wahl von grundsätzlicher Bedeutung für den FC, aber was hat diese Angelegenheit mit Fußball als Volkssport zu tun?

Die Vorschläge des Vorstandes zur Wahl haben durch die Nominierung von Franz-Josef Wernze eine Dimension erreicht, die jeden Fußballfan hellhörig werden lassen dürfte. Herr Wernze hat auch in diesem Blog bereits mehrfach Erwähnung gefunden und die grundsätzliche Ablehnung seiner Praktiken wurde auch in anderen Publikationen deutlich. Die Gefahr von Investoren für den Volkssport Fußball ist also bekannt. Daher kann nur an jedes Mitglied appelliert werden, einen kölschen Hopp im Verwaltungsrat zu verhindern. Käme eine solche Person in eine führende Position, wäre dies für unseren geliebten FC sicherlich der erste Schritt hin zu einem ähnlichen Vereinskonstrukt wie Bayer Leverkusen oder der TSG „1899“ Hoffenheim. Ob sich dies mit den Werten, wie sie die große Fan- und Mitgliederbasis des 1. FC Köln mehrheitlich vertritt, vereinbaren ließe, darf stark bezweifelt werden!

Herr Wernze ist nicht nur Investor, sondern kann auch scheinbar an keinem Mikrophon vorübergehen. Er äußert sich in penetranter Regelmäßigkeit zu allen Themen rund um den 1. FC Köln; seien es mögliche Transfers, Entscheidungen des Trainerteams oder Anliegen der Mitglieder. Solch einem persönlichen Geltungsdrang muss sich unsere Gemeinschaft nicht ausliefern. Wir brauchen keinen Sonnenkönig, keine Motte, die vom Licht der Öffentlichkeit angezogen wird und erst recht keinen selbstgefälligen Gönner.

Seine Zuwendungen knüpfte er schon oft an die persönlichen Freundschaften zu den Herren rund um Wolfgang Overath. Solche Abhängigkeiten von Einzelnen werden auf kurz oder lang lebensbedrohlich für fast jeden Fußballverein. Der 1. FC Köln muss im Vordergrund stehen, nicht bestimmte Personen. Zieht sich Wernze mit seiner finanziellen Unterstützung also zurück, falls die Vorstandssessel neu besetzt werden oder träumt er selbst schon von der Präsidentschaft?

Nebenbei sei noch die Anmerkung erlaubt, ob es nicht doch gewisse Zweifel an der Glaubwürdigkeit seines Engagements bei der Viktoria gibt. Vermutlich ja, denn es deutet vieles darauf hin, dass Herr Wernze seine Unterstützung bei der Viktoria nur als Sprungbrett ansieht. Die Halbwertszeit seiner Zuwendungen scheint jedenfalls rapide abzunehmen! Die Gründe für den Erhalt der 50+1-Regelung werden seit Jahren immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt und es gilt also nicht nur aus den drei genannten Gründen, Wernze zu stoppen.

Kölsche Renaissance im Amateurfußball?

Volkssport am 15. Oktober 2011 um 17:15

Drei Deutsche Meisterschaften, vier Triumphe im DFB-Pokal und unzählige Auftritte im Europapokal machen den 1. FC Köln zu dem fußballerischen Aushängeschild der Stadt Köln. Trotz Misserfolgen und anhaltender Erfolgslosigkeit kann kein Club aus der Domstadt dem FC auch nur annähernd das Wasser reichen. Die Fortuna hat ihren Versuch Anfang diesen Jahrtausends teuer bezahlt, andere Traditionsvereine wie der VfL Köln 99 sind in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Momentan sorgt jedoch ein Club von der anderen Rheinseite für Furore. Der FC Viktoria Köln 04 steht nach sechs Spielen in der NRW-Liga ungeschlagen an der Tabellenspitze. Die wechselvolle Geschichte des rechtsrheinischen Traditionsvereins sei nur kurz angerissen. Einer der Vorgängervereine, Preußen Dellbrück, lieferte sich in den Anfangsjahren der Oberliga West hitzige Duelle mit dem FC und konnte ihn in den 50ern sogar teilweise überflügeln. Nach mehreren Fusionen und Namensänderungen war der Vereine Mitte der Neunziger unter dem Namen SC Brück Preußen Köln noch drittklassig, meldete als SC Brück Viktoria Köln nach dem Abstieg in die Landesliga 2010 Insolvenz an.

Die Geschichte ist bis zu diesem Punkt nicht weiter ungewöhnlich. Viele namhafte Vereine wie Rot-Weiss Essen oder der SV Waldhof Mannheim haben turbulente Zeiten hinter sich. Manche Mitglieder der ehemaligen Oberliga West wie der STV Horst-Emscher sind gänzlich aus dem Vereinsregister verschwunden. Es drängt sich die Frage auf, wie die Viktoria diesen Tiefpunkt scheinbar zum Wendepunkt gemacht hat und mit aller Macht in die Regionalliga drängt, wo Duelle mit der U21 des 1. FC Köln und dem SC Fortuna Köln warten. Grundsätzlich ist in Zeiten von RB Leipzig nichts dagegen einzuwenden, wenn ein solcher Traditionsverein wieder auf die Beine kommt, und eine Bereicherung für die Fußballkultur in unserer Heimatstadt ist er zudem auch. Das Potential für einen starken Amateurverein scheint auf der Schäl Sick vorhanden zu sein, beim Spiel gegen Schwarz-Weiß Essen fanden sich 1.000 Zuschauer im Höhenberger Sportpark ein.

Der momentane Aufschwung ist untrennbar mit dem Namen Franz-Josef Wernze verbunden. Dieser Name dürfte auch den meisten FC-Fans ein Begriff sein. Seine Rolle im Umfeld des 1. FC Köln ist sicherlich ebenfalls diskussionswürdig, soll an dieser Stelle aber nicht näher thematisiert werden. Vor seinem Engagement in Höhenberg schaffte Wernze mit Germania Dattenfeld den Aufstieg von der Kreisliga bis in die NRW-Liga. Zusätzlich konnte man sich dreimal in Folge in die Siegerliste des FVM-Pokals eintragen und die Spiele im DFB-Pokal u.a. gegen den FC Bayern waren Höhepunkte in der Vereinsgeschichte. Nach der TSG Hoffenheim schien sich also auch an der Sieg ein weiteres „Fußballmärchen“ abzuspielen und die Parallelen zu Dietmar Hopp liegen auf der Hand.

Wernze sorgte für eine exklusive Kaderzusammenstellung mit Ex-Profis wie Markus Kurth oder Sebastian Schoof. Die Möglichkeiten in der beschaulichen Gemeinde schienen begrenzt zu sein, doch Wernze verfolgte seine Vision, die in einem Urlaub in den Neunzigern entstand, beharrlich weiter. Der Verein wurde in TSV Germania Windeck umbenannt, die Sportanlage ausgebaut und mit Heiko Scholz stand auch ein ehemaliger Profi an der Seitenlinie. Trotzdem musste für Spiele mit erhöhtem Zuschaueraufkommen zum Beispiel nach Bonn oder Köln ausgewichen werden. Nach der Saison 2010/11 stand endlich der langersehnte Aufstieg in die Regionalliga fest. Die Zweifler und Skeptiker des Projektes schienen verstummt zu sein, doch es kam, wie es kommen musste. Bereits Jahre zuvor war das Ende der Fahnenstange in Windeck erreicht, dennoch klammerte sich Wernze an seinen Heimatverein. Allerdings bot sich ihm bereits während der Saison 2010/11 die Möglichkeit auf ein weiteres Pferd zu setzen. Die Kölner Viktoria lag am Boden und Wernze griff dem Verein als „Geburtshelfer“ gerne unter die Arme. Scheinbar bereitete ihm die Arbeit bei einem Club mit entsprechender Infrastruktur so viel Freude, dass er sich nicht mehr sonderlich für die Belange in der Heimat interessierte.

Auf den Aufstieg wurde kurzerhand verzichtet und auch die NRW-Liga schien nicht mehr passend für den Dorfverein, so finden sich die Windecker wieder in der Mittelrheinliga und ermöglichten Fortuna Köln den Aufstieg in die Regionalliga. Neben der ersten Mannschaft des TSV zog sich zum Saisonende auch die Zweite zurück, woraufhin es zu einigen Unstimmigkeiten im Fußballkreis Sieg kam, da die Abstiegsregelungen ad absurdum geführt worden sind. So musste ein weiterer Verein in der Kreisliga A nach Saisonende den Abstieg in die Kreisliga B hinnehmen. Den Macher Wernze gingen diese Entwicklungen längst nichts mehr an. Gerüchten zu Folge hätte er die erste Mannschaft des Vereins am liebsten in der Landesliga gesehen. Während es in Windeck bergab ging, begann im rechtsrheinischen Köln der Aufstieg.

Den Platz in der NRW-Liga sicherte man sich vom Aufsteiger FC Junkersdorf, der in den kommenden fünf Jahren keine Seniorenmannschaft melden darf und erhebliche Probleme mit der Motivation der Jugendlichen im eigenen Club hat. Der Kader wurde mit einigen Spielern aus Windeck aufgefüllt und selbst das gebuchte Trainingslager für den Regionalligaaufsteiger aus Windeck nahm die Viktoria wahr. Etliche weitere Spieler mit Profierfahrung wurden hinzugeholt und der Kader liest sich wie eine Zusammenstellung ehemaliger Jugendspieler des 1. FC Köln. So fand auch der Sohn unseres Vizepräsidenten Anschluss beim neuen Emporkömmling. Das Engagement von Franz-Josef Wernze lässt den gesamten Weg der „Wiederauferstehung eines Kölner Traditionsvereins“ doch in fahlem Licht erscheinen. Nachdem Herrn Wernze die Bühne für seine Selbstinszenierung in Windeck längst zu klein geworden war, schien er nahezu sehnsüchtig darauf gewartet zu haben, endlich in der Großstadt ins Rampenlicht zu rücken. Die Fußballwelt braucht sicherlich keine weiteren Investoren und Selbstdarsteller à la Hopp und die fast schon austauschbare Leidenschaft für Fußballvereine macht Herrn Wernze ungleich unsympathischer für traditionelle Fußballanhänger.

In den nächsten Jahren wird es wohl dennoch zu einem spannenden Dreikampf um die Spitzenposition im kölschen Amateurfußball kommen. In der neuen Regionalliga West werden in der kommenden Saison die Amateure des FC, die Fortuna aus der Südstadt und Viktoria Köln gegeneinander antreten. Während die Viktoria  momentan eng verbunden mit dem Namen Franz-Josef Wernze ist, startete die Fortuna bereits vor Jahren das Projekt „deinfussballclub.de“. Die Idee dahinter bestand aus einer Mitgliedschaft für einen Preis von 39,90 Euro. Der Verein versprach sich hiervon neue Möglichkeiten der Finanzierung und den Mitgliedern im Gegenzug totale Transparenz und Mitbestimmung beim Vereinsgeschehen. Ein basisdemokratischer Fußballverein mit der Beteiligung vieler Einzelpersonen scheint also genau der Gegenentwurf zu denjenigen Clubs zu sein, die sich in die Hände von Investoren und Konzernen begaben.

Die angestrebten Mitgliederzahlen konnten jedoch nie erreicht werden und die Entscheidungsmacht der Teilnehmer war durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sehr eingeschränkt. Im September 2011 wurde das Projekt dann für beendet erklärt. Offiziell kam man zu dem Schluss, dass Entscheidungsstrukturen im Fußball nicht auf solcher breiter Basis stehen können. Allerdings war die Mitgliedschaft bereits von der ersten Abstimmung an ein Muster ohne Wert. Hinter der gesamten DFC-Community verbarg sich die Deinfussballclub GmbH. Diese GmbH erwarb 49% der Anteile an der Spielbetriebsgesellschaft von Fortuna Köln und 51% blieben in der Hand des Stammvereins. Die 50+1-Regelung wurde auf diese Weise natürlich eingehalten, dennoch wurden die wesentlichen Entscheidungen rund um Fortuna Köln nicht vom Verein, den Mitgliedern der Community, sondern der externen GmbH getroffen. Die damit verbundene Professionalisierung kann man sicherlich nicht abstreiten. Nach der jahrelangen Regentschaft von Jean Löring und intransparenten Vereinsstrukturen war dies vielen Personen im Umfeld der Fortuna vielleicht sogar recht. Die Mär vom basisdemokratischen Fanverein kann jedoch getrost zu den Akten gelegt werden, stattdessen dient der Spielbetrieb der Finanzierung einer externen Gesellschaft. Ein Fußballverein unter der Kontrolle Dritter kann für aktive Mitglieder eines Vereins keine schöne Vorstellung sein.

Bei einem Blick hinter die Kulissen der beiden aufstrebenden Clubs im Kölner Stadtgebiet dürfte es nicht schwerfallen, in den kommenden Jahren unserer U21 die Daumen zu drücken, wenn es darum geht, die Vorherrschaft des 1. FC Köln zu festigen. Der legendäre Liverpooler Manager Bill Shankly sagte schließlich einst im Bezug auf den Stadtrivalen Everton: “There are only two sides in Liverpool. Liverpool and Liverpool reserves!”

Hopp, Hopp, Hopp… Investoren-Stopp!!!

Volkssport am 23. September 2011 um 00:32

„Es gibt viele Erfinder, doch nur einen muss man kennen.“ So hieß es in einer Choreographie der Kölner Südkurve und gemeint war der Gründer unseres Vereins Franz Kremer. Er war nicht nur maßgeblich an der Fusion der beiden Vorgängervereine des 1. FC Köln beteiligt, sondern auch an der Gründung der Bundesliga. In der aktuellen Bundesliga findet sich mittlerweile mit der TSG Hoffenheim ein Verein wieder, der seine Mannschaft, seine Infrastruktur, sein Stadion und nicht zuletzt seinen zweifelhaften Ruf einem Mann zu verdanken hat. Die Rede ist von Dietmar Hopp.

Auf den ersten Blick sind die Parallelen nicht von der Hand zu weisen, dennoch erfreut sich der Investor aus dem Kraichgau keiner sonderlich großen Beliebtheit in Köln. Franz Kremer hingegen wird heute noch im gesamten Umfeld des 1. FC Köln verehrt und für seine Verdienste hochgeschätzt. Messen die FC-Fans in dieser Hinsicht also mit zweierlei Maß? Kann man in diesem Zusammenhang sogar schon von Doppelmoral sprechen?

Der Großteil unter den Lesern wird diese provokanten Fragen vermutlich direkt erbost zur Seite schieben. Selbstverständlich ist der Vergleich auch unzutreffend! Während unser erster Präsident in den Nachkriegsjahren eine Ausgangsposition für den 1. FC Köln schaffte und dem Volkssport Fußball den Weg zu seiner heutigen Faszination erst ebnete, verfolge Herr Hopp eine andere Strategie. Er nutzt die TSG als persönliche Bühne um sich Anerkennung zu schaffen. Bei den hohen Herren des DFB ist er gerne gesehen, insbesondere Präsident Theo Zwanziger scheint ihm dankbar für die Anstellung seines Sohns in der Hoffenheimer Damenabteilung. Stets werden auch seine guten Kontakte zur Chefetage der Bayern aus München betont und fanden dementsprechend auch Niederschlag in Transferaktivitäten, die im krassen Gegensatz zu den Vorstellungen der sportlichen Leitung standen. Die Kontakte zu den Größen im deutschen Fußball sind für Herrn Hopp scheinbar wichtiger als sportlicher Erfolg.

Wirtschaftlich rentabel kann seine Investition in einen Fußballverein auch nicht sein, schließlich musste er erst vor kurzem wieder 30 Millionen Euro zum Verlustausgleich zuschießen. Persönliche Anerkennung bleibt also wohl das einzige maßgebliche Motiv für sein Engagement im Fußball. Franz Kremer hingegen nutzte sein kaufmännisches Geschick und seine wirtschaftlichen Kontakte, um in den Nachkriegsjahren ein sportliches Aushängeschild seiner Heimatstadt zu schaffen. Nach über 60 Jahren kann man dieses Vorhaben trotz der sportlichen Talfahrt in den letzten Jahren als absolut gelungen bezeichnen. Mittlerweile sind über 50.000 Mitglieder Teil des 1. FC Köln und unser Verein ist somit glücklicherweise kein Spielball einzelner Investoren.

Ein kölscher Hopp steht mit Franz-Josef Wernze allerdings schon in den Startlöchern und tobt sich momentan noch beim neu formierten Fußballverein Viktoria Köln auf der Schäl Sick aus. Es liegt auch an uns den FC als Traditionsverein mit breiter Fan- und Mitgliederbasis zu erhalten und Entwicklungen zur Lockerung der 50+1-Regelung kritisch zu begleiten.

Eine neue Dimension – Proteste gegen zu hohe Ticketpreise sind wieder ein Thema

Volkssport am 23. September 2010 um 14:31

Was bisher unvorstellbar war, hat am vergangenen Wochenende ein Großteil der Dortmunder Fanszene wahr gemacht. Nahezu 350 Fanclubs, dazu viele Einzelpersonen, blieben dem Derby auf Schalke fern, um ihren Ärger über die höheren Ticketpreise im Vergleich zu anderen Spielen deutlich zu machen. Zwar nicht so leer wie vielleicht erwartet, aber dennoch mit einigen Lücken behaftet, war deshalb der Gästeblock, der normalerweise beim legendären Ruhrpott-Derby natürlich restlos ausverkauft ist. Zu verdanken hat die Dortmunder Fanszene das wohl auch ihrem Verein, der die zurückgegebenen Tickets nicht wieder in den Verkauf brachte, sondern unverwendet ließ.

Anfang September wurde die Aktion „Kein Zwanni für nen Steher“ ins Leben gerufen und schon schnell wurde aus einer Diskussion über zu hohe Preise ein Protest gegen die Preispolitik nicht nur des FC Schalke 04, sondern ganz generell der Liga. Fast alle Bundesligisten haben inzwischen verschiedene Preisstrukturen, je nachdem gegen wen gespielt wird.
Das mag wirtschaftlich clever und von Vereinsseite auch begründbar sein. Die Fernsehgelder stagnieren in den kommenden Jahren aufgrund langfristiger Verträge, Sponsoren argumentieren weiterhin mit der Wirtschaftskrise, also setzt man bei den Eintrittspreisen an. Bei Einführung verschiedener Preise umschrieben die Vereine ihr Handeln noch als „Topspielzuschlag“. Im Laufe der Zeit merkten sie aber, dass nicht nur sportlich erfolgreiche Vereine viele Fans mitbringen, sondern auch andere Vereine das Stadion, oder zumindest den Gästeblock, füllen können. Daher entwickelten viele Vereine Preiskonzepte, in denen auch Spiele gegen sportlich durchschnittliche Vereine wie Mönchengladbach, Nürnberg oder uns höhere Ticketpreise mit sich führen.

Darunter leidet nur eine Minderheit der Stadiongänger. In Bremen zum Beispiel fasst das Stadion 42000 Zuschauer, alleine 25000 Dauerkarten setzt der Verein pro Saison ab. Rechnet man noch die rund 1500 Logenplätze dazu, bleiben rund 15500 Karten für den Tageskartenverkauf übrig. Die erhöhten Preise tragen also nur rund 37% der Fußballfans, darunter die ungefähr 2100 Gästefans. Der Preisunterschied zwischen Spielen gegen Kaiserslautern und uns beträgt im Großteil des Stadions beispielsweise acht Euro. Die sportliche Attraktivität wird dabei gewiss keine große Rolle spielen, so wie bei Einführung des Begriffs „Topspielzuschlag“ gedacht, stattdessen geht es um die Nachfrage nach Tickets.

In Gelsenkirchen bezahlt der Stadiongänger für die Spiele gegen Bayern, Dortmund und das letzte Saisonspiel (gleichgültig, wer der Gegner ist) fünf Euro mehr für Stehplätze und zehn Euro mehr für Sitzplätze. Aus den sowieso schon hohen Ticketpreisen ergibt sich so ein Preis von 20 Euro für den Stehplatzbereich im Gästeblock. Dass auch Gästefans aus Mainz am vorletzten Spieltag der Saison 20 Euro für eine Stehplatzkarte auf Schalke bezahlen müssen, wird wohl noch für so manches Stirnrunzeln sorgen – auch, wenn das die Fußballwelt nicht so interessieren wird wie die Entwicklung vor dem Derby gegen Dortmund.

Anders als die Aktion aus Dortmund blieb der Protest einiger Bremer Anhänger in der Champions League unbeachtet, obwohl auch an diesem Beispiel wieder zu sehen war, wie sehr sich die Vereine mehr von finanziellen als von Faninteressen leiten lassen: beträgt der normale Stehplatzpreis in der Bremer Ostkurve elf bis maximal 16 Euro, so betrug der Preis für die Ostkurve beim Champions-League-Spiel gegen Tottenham 31 Euro. Das Stadion war nicht gefüllt. Ob es an den zu hohen Preisen gelegen hat? Bemerkenswert, dass der Verein Spruchbänder zu dem Thema beim letzten Heimspiel gegen Mainz untersagte.
Auch im eigenen Stadion in Köln-Müngersdorf ist in letzter Zeit der Trend zu erkennen, dass einige Plätze leer bleiben oder erst am Ende einer Verkaufsphase an den Fan gebracht werden. Sonderaktionen, bei denen es Tickets zum halben Preis gibt, sind schon jetzt keine Seltenheit mehr und auch für das heutige Spiel wurde diese Taktik wieder angewandt, um möglichst alle Tickets verkaufen zu können.
Insbesondere die Plätze in den äußersten Oberrangblöcken der einzelnen Tribünen verkaufen sich regelmäßig nur schwer. Immerhin begrüßen wir es außerordentlich, dass der FC die Kartenpreise zur neuen Saison nicht erhöht hat und noch immer an dem Grundsatz festhält, Stehplatzkarten für unter zehn Euro anzubieten.
Der Trend geht aber generell leider dahin, die Ticketpreise weiter zu erhöhen. Dass die Preise in Köln nicht erhöht wurden, lag am externen Druck, begründet durch die langfristige Heimschwäche der Mannschaft.

Es wird für uns Fans in Zukunft eine der wichtigsten Fronten sein, an denen wir zu kämpfen haben. Die Eintrittskarte ist die Grundlage für alles, was im Stadion geschieht: Emotionen, Leidenschaft, Jubel, Leiden, die Unterstützung der Mannschaft durch Gesang und Choreos.
Die Gefahr, dass es das irgendwann im Stadion nicht mehr gibt und der Grund des Übels zu hohe Ticketpreise sind, ist zu groß, um nicht dauerhaft auf das Thema aufmerksam zu machen.
Die Vereine zeigen derzeit gerne mit dem Finger auf die Anderen, jedoch betrifft das Problem inzwischen so gut wie alle Vereine. In der Diskussion über das Derby im Ruhrgebiet ging – vielleicht absichtlich – durch die unüberhörbare Unterstützung der Dortmunder Vereinsoffiziellen vielleicht unter, dass auch der BVB nicht zimperlich mit Ticketpreisen umgeht. Eine Stehplatzkarte kostet generell 14,50 Euro, zu den Top(!)spielen gegen Bayern, Schalke, Bremen, Hamburg, Mönchengladbach und den FC werden die Preise jedoch durchweg um 20% erhöht, sodass eine Stehplatzkarte mit 17,40 Euro schon näher an der heiligen 20-Euro-Marke kratzt.

Noch spielen alle Vereine das Problem runter, um gleichzeitig auch das Empfinden von zu hohen Preisen abzuschwächen. Es gibt genug Argumente seitens der Clubs, die sie als gerechtfertigt ansehen, um die Ticketpreise weiter erhöhen zu können. Die Premiere League, in der die Eintrittspreise noch immer etwas höher sind, muss dafür oft herhalten. Doch darf das kein Maßstab sein, denn wer hat eine inzwischen nicht mehr vorhandene Fankultur auf der Insel als Ziel? Hoffentlich keiner! Auch die starren Einnahmen im Sponsoring und bei den TV-Geldern gelten als Rechtfertigung. Weitere Argumente der Vereine für einen gewissen Spielraum bei Ticketpreiserhöhungen sind die anhaltende Begeisterung für die Bundesliga, Transfers im Sinne sportlicher Attraktivität und Konkurrenz, ausverkaufte Stadien und folglich eine hohe Nachfrage nach Tickets.
Gerne betonen die Vereine, dass sie trotz allem ein Auge auf die Ansprüche und Wünsche der Fans haben. Noch ist das einigermaßen der Fall, doch darf die Standhaftigkeit der Vereine bei fanfreundlichen Ticketpreisen angezweifelt werden, beobachtet man die Preisentwicklung der letzten Monate und Jahre und die Art, wie Ticketpreiserhöhungen durchgeführt werden: nämlich durch die langsame Anpassung der normalen Ticketpreise an die „Topspiel“-Preise.

Das Beispiel Bremen zeigt, wie willkürlich die Einteilung in verschiedene Spielkategorien ist. Das Spiel gegen Nürnberg ist ein Spiel, bei dem die Fans zwei bis acht Euro mehr Eintritt zahlen müssen als beim Heimspiel gegen Frankfurt. Für den Außenstehenden macht das keinen Sinn – in einem Jahr für den Involvierten vielleicht auch nicht mehr. Und so ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch das Spiel gegen Frankfurt im kommenden Jahr in eine höhere Kategorie eingestuft wird.
Die Vereine sollten sich ihrer Verantwortung gegen über den Fans stets bewusst sein und dabei sowohl die Altersstruktur als auch den finanziellen Hintergrund der Fans berücksichtigen. Gewiss könnte ein Verein mit den aufgeführten Argumenten eine Preiserhöhung begründen, allerdings ist, wie bei jedem wirtschaftlichen Vorgang auch, irgendwann ein Maximum erreicht, in dem es nicht mehr weiter nach oben gehen kann und darf.

Das Gefühl, dass verantwortlich gehandelt wird, ist in vielen Bundesligastadien immer seltener vorhanden. Felix Magath sprach in Zusammenhang mit der Dortmunder Aktion davon, dass die Fans, die die Preise nicht zahlen wollen, es dann doch einfach sein lassen sollten. Einstellungen wie diese sind definitiv gefährlich für die deutsche Fankultur. Das Schlimme ist, dass er mit dieser Meinung in der Bundesliga nicht alleine dastehen wird.
Fans müssen ständig, wie jetzt durch die Initiative in Dortmund oder den Protest in Bremen geschehen, auf das Thema aufmerksam machen. Es hilft nicht, wenn man sich erst gegen Ticketpreiserhöhungen wehrt, wenn diese schon beschlossen sind. In den Geschäftsstellen der Ligavereine muss klar werden, dass das Preismaximum langsam, aber sicher erreicht ist.

Durch eine ständige und stetige Erhöhung von Ticketpreisen wird ein bestimmter Kreis von Fans irgendwann aus den Stadien fernbleiben. Eben jene Fans, die seit vielen Jahren ihre Freizeit in unendlicher Länge für den Verein geopfert haben und sich Stehplatzkarten für 20 Euro in regelmäßigen Abständen definitiv nicht leisten können. Die Initiatoren des Dortmunder Protestes formulieren das Problem treffend: „Kurzfristig kann die Verdrängung sozial schwächerer und nicht finanzkräftiger junger Fans und der Ersatz durch eine besser betuchte Fanklientel den Vereinen zwar Erfolg bringen. Die nachhaltigen Schäden werden jedoch erst in der Zukunft sichtbar. Junge Menschen, die sich den Stadionbesuch heute nicht mehr leisten können, werden sich zu einer anderen Freizeitgestaltung hin orientieren und den Vereinen damit langfristig verloren gehen.“
Die Heimvereine dürfen darüber hinaus nicht vergessen, dass sie die Preise für den Gästeblock bestimmen. Ein erhöhter Preis trifft auch immer den Gästeanhang. Regelmäßig hohe Preise bei Auswärtsspielen können Fans davor abschrecken, einen ganzen Tag zu opfern, um ihrem Verein durch Deutschland hinterher zu reisen. Ein wichtiger Bestandteil von Bundesligaspielen ginge dadurch verloren.
Es liegt also an den Vereinen, einen maximalen Eintrittspreis zu erkennen, bevor es zum nicht gewollten Effekt kommt, dass Fans lieber zu Hause bleiben als zu hohe Ticketpreise zu bezahlen. Und das gilt nicht nur in Gelsenkirchen, Bremen oder Köln, sondern überall.

Von einem bedeutenden Spiel, ob es das Ruhrpott-Derby oder ein Champions-League-Spiel ist, fernzubleiben, ist sicherlich eines der deutlichsten Zeichen, die man setzen kann. Jeder muss für sich selbst die beste Taktik finden, mit der man auf zu hohe Ticketpreise aufmerksam machen kann. Wichtig ist vor allem der Dialog mit dem Verein, durch den die unterschiedlichen Standpunkte viel deutlicher werden als nur durch kurze Spruchbänder oder Stellungnahmen.
Den Fans ist bewusst, dass die Vereine in enormer Konkurrenz zueinander stehen – nicht nur im sportlichen, sondern auch im wirtschaftlichen Sinne. Jeder Verein hat seine gewissen, unmittelbaren Konkurrenten bei Spielertransfers, in der Infrastruktur und der Jugendarbeit. Dass das finanziert werden muss und dass alles teurer wird, liegt auf der Hand. Es geht bei der Diskussion um Ticketpreise jedoch um etwas, was nicht berechenbar ist. Es geht um die Liebe der Fans zu ihrem Verein, es geht um gegenseitigen Respekt zwischen Fans und Verein. Steigen die Ticketpreise in Zukunft weiter an, ist Beides in Gefahr. Das muss durch eine faire Auseinandersetzung mit dem Thema verhindert werden.
Die Vereine sollten nicht Gefahr laufen, durch Ticketpreiserhöhungen die Liebe der Fans zu ihrem Verein

Weitere Verweise zum Thema:

Kein Zwanni für nen Steher
http://www.kein-zwanni.de/

WDR Lokalzeit Dortmund 08.09.2010
http://www.youtube.com/watch?v=_uRT7Btb1hU&feature=player_embedded

Freie Meinungsäußerung und Emotionen

Volkssport am 5. Februar 2010 um 00:07

Ein Tor fällt, der Torschütze läuft zur Eckfahne und jubelt, 10 Sekunden später ist er um eine gelbe Karte reicher. Der Trainer jubelt, läuft dabei einen Meter aus der Coachingzone heraus und hat mit dem vierten Schiedsrichter sofort einen Richter über die Emotionen vor sich. Die Fans der Verlierermannschaft sind sauer über die sportliche Talfahrt ihres Teams, entrollen beim nächsten Spiel ein Spruchband mit ihrer Meinung zur Situation, was jedoch Sanktionen oder zumindest Missstimmung im Verein auslöst: zu vereinskritisch.

Das sind Vorfälle, die wöchentlich in deutschen Stadien passieren. Kann es sein, dass ein Spieler, der gerade sein erstes Bundesligator schießt, eine gelbe Karte bekommt, weil er sich vor Freude sein Trikot vom Körper reißt? Kann es sein, dass die vierten Schiedsrichter permanent darauf achten, dass sich Trainer in ihren zugewiesenen Zonen möglichst ruhig verhalten und kein kritisches Wort gegenüber der Schiedsrichterleistung verlieren? Ist es noch oder wieder zeitgemäß, Fans ihre Meinung zu verbieten oder ihnen zu verbieten, Diese preiszugeben?

Die freie Meinungsäußerung spielt in unserem Alltag eine große Rolle, wir beharren zu Recht ständig darauf. Artikel 5 der Grundrechte besagt immerhin: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern“. Dass dieser Artikel nicht völlig uneingeschränkt gilt, ist für jeden verständlich. Jedoch wird im Fußball der Begriff der Einschränkung äußerst dehnbar und flexibel definiert.

Aktueller denn je ist wieder einmal das Thema auch in unserem Verein. Vor neun Tagen verkündete der FC, dass das öffentliche, offizielle Forum „FC-Brett“ in Kürze nur noch für Mitglieder des Vereins zugänglich sein würde. Nichtmitglieder waren vor den Kopf gestoßen und die Intention schien klar: nachdem große Kritik, teils ungerechtfertigt, an Spielern des FC geäußert wurde, sollte das Forum personalisiert und damit das Feuer aus sportlichen Diskussionen genommen werden. Ferner sei der Umfang des FC-Bretts inzwischen zu groß, um seinen Inhalt stets kontrollieren zu können. Es gab nur zwei Alternativen: das Forum abschalten oder umstellen. Man entschied sich für Zweiteres, doch dachte unser Fanbeauftragter Rainer Mendel, „die Schnittmenge zwischen aktiven Forumsnutzern und Mitgliedern sei größer. Das haben wir falsch eingeschätzt.“ Innerhalb weniger Stunden entluden sich die heftigen Meinungen der Fans zu dem Thema im inzwischen alten FC-Brett und selbst in der Presse (u.a. Express, KSTA und 11Freunde) spielte die Entscheidung vor einer Woche eine Rolle.

Dass nicht nur die Einschätzung falsch war, die Schnittmenge zwischen Forumsnutzern und Mitgliedern sei größer, sondern die ganze Idee, ist viel wichtiger und glich laut Christian Löer (KSTA) einem „PR-Selbstmord“! Zwar wissen alle FC-Fans, dass ein nicht unerheblicher Teil des Forumsinhalts nicht unmittelbar viel mit dem FC zu tun hat, doch gilt das FC-Brett für viele Fans, ob durch räumliche Trennung, zeitlichen Mangel für eigene Recherche oder Interesse an Fahrten zu Auswärtsspielen des Vereins als virtueller Anlaufpunkt. Nun Nichtmitglieder aus dem Forum ausschließen zu wollen, wäre ein großer Fehler, der die „FC-Familie“ spalten würde. Dies verstand auch der Verein nach der harschen Kritik, sodass zumindest wieder alle FC-Fans im Forum lesen können. Auch können sich Nichtmitglieder wieder für einen Account anmelden – personalisiert.

Die Umstellung erweckte ferner auch den Eindruck, der Zugang zum FC-Brett solle ein weiterer Vorteil einer Mitgliedschaft im Verein sein. Wer die Mitgliedschaft kündigt, bei dem „erlischt automatisch jedweder Anspruch auf Zugang zum Forum.“

Es wäre zu einfach gedacht davon auszugehen der Verein bekäme neue Mitglieder, weil er sein Forum nur für Mitglieder zugänglich macht. Von dieser Absicht ausgegangen zu sein liegt in unserem Verein nicht fernab jeder Realität. Erst recht konnte davon nicht mehr ausgegangen werden, seitdem ein inoffizielles Forum (www.fc-brett.net) bestand. Vielleicht auch deswegen entschied sich der Verein zum Einlenken. Zudem stellt sich die Frage, ob langsam nicht eine Sättigung des Mitgliederzuspruchs eintritt. Der FC kann seinen Mitgliedern schon lange nicht mehr die lukrativen Vorteile einer Mitgliedschaft (Heimdauerkarte, Karten für Heim- und Auswärtsspiele) versprechen, da auf 50000 Mitglieder beispielsweise nur 25000 Dauerkarten kommen.

Ferner ist es nicht unwahrscheinlich, dass FC-Fans, die eine weite Anreise in die Domstadt haben, eher kein Mitglied sind, da sie durch die hohen Anreisekosten und Kartenpreise schon genug Geld für ihre große Liebe ausgeben. Dann noch 92 Euro (Einzelmitgliedschaft, Erwachsener) für das Privileg der Mitgliedschaft zu zahlen fällt schwer. Der Ausschluss aus einer Kontaktmöglichkeit mit anderen FC-Fans ist dann nicht die feine Art.

Die Personalisierung im neuen FC-Forum kommt dabei, betrachtet man die kritischen Äußerungen zu einigen Spielern, zudem einer Zensur gleich. Sich kritisch gegenüber etwas zu äußern fällt immer mehr Menschen schwer, da sie Angst vor Bekanntwerden ihrer Identität und folglich vor Benachteiligung haben. Dies gilt nicht nur beim Arbeitgeber, sondern auch im Hobby. Die Zahl derer, die den Verein scharf kritisieren, wenn es angebracht ist, die die Spieler nach miserablen Spielen schlecht bewerten, die sich zur (Fan-)Politik des Vereins kritisch äußern, sinkt natürlich, wenn durch einen Mausklick ihr Name auf dem Bildschirm des Kritisierten auftaucht. Welchen Sinn hätte sonst eine Personalisierung, wenn sie nicht zur Kontrolle dienen soll?

Bereits unmittelbar am Anfang der Regelerläuterungen für das neue Forum wird dem Nutzer deutlich gemacht: „Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Sie Ihre Beiträge im FC-Brett nicht anonym erstellen. Die Administration des Diskussionsforums hat die Möglichkeit, relevante Daten zu erfassen, die bei Verstößen gegebenenfalls zur Identifikation des Verursachers herangezogen werden.“ In der Mitteilung zur Änderung der Zugangsberechtigungen spricht der Verein jetzt davon, dass es nicht darum gehe, „hier Zensur zu betreiben oder die freie Meinungsäußerung einzuschränken.“ Hoffen wir trotz der Personalisierung, dass die Fans weiterhin ihre ehrliche Meinung sagen dürfen.

Es hätte insgesamt aber sicherlich elegantere Lösungen gegeben, die Masse der Forumseinträge zu senken. Die Idee, Nichtmitglieder, also die nicht-zahlenden Nutzer, komplett auszuschließen, war angedacht und geplant, um sich die Arbeit zu erleichtern. Das kann kein Ziel eines Vereins sein, der sich als große Familie mit über 50000 Angehörigen sieht.

Die Intention, die freie Meinung einzudämmen, um selbst von Problemen verschont zu bleiben, ist auch in anderen Bereichen erkennbar (gewesen). So mussten wir lange Zeit unsere Spruchbänder mit genauem Wortlaut vorher anmelden, bevor wir sie im Stadion zeigen durften. Ob es bei den Spruchbändern um den Verein, um Fanthemen oder um andere Aktualitäten ging, war dabei egal. Das Todschlagargument „Hausrecht“ ließ es über viele Jahre nicht zu, dass wir unsere Meinung – auch im Schwaadlappe – frei äußern konnten, ohne vorher kontrolliert bzw. zensiert zu werden. Dabei ist doch jedem Fan, jedem Leser der Spruchbänder spätestens durch die Signatur klar, von wem das Spruchband stammt. Hier ist der Verein nach einiger Zeit zu Kompromissen bereit gewesen. Generell haben Vereine Angst davor, Fans im Bereich der eigenen Meinung Freiräume zu gewähren. Spruchbänder werden kontrolliert, „damit man gegebenenfalls noch sagen kann: Komm, das ist ein bisschen zu scharf. Und vielleicht ist da irgendeiner in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt oder sonst wie. Deswegen müssen wir das grob wissen.“ So sieht es Thomas Weinmann, Fanbeauftragter von Borussia Mönchengladbach.

Doch mit welcher Intention wollen Vereine die Meinung ihrer Fans kontrollieren? Ist lediglich ein Saubermannimage das Ziel? Das würde bedeuten, dass es lieber um einen guten Ruf in der Liga, bei den Sponsoren oder bei der Polizei geht als um die Möglichkeit, den Fans die freie Äußerung ihrer Meinung zu ermöglichen. Sollte es Ziel eines Vereins sein, möglichst nicht anzuecken oder aber möglichst gute Fans mit einer eigenen, differenzierten Meinung zu haben? Bei den Sponsoren anzuecken versucht der Verein tagtäglich zu vermeiden. Die Bezeichnung „Müngersdorfer Stadion“ soll beispielsweise so schnell wie möglich aus den Köpfen der Fans verschwinden. Rhein Energie bezahlt immerhin viel Geld für die Namensrechte. Tradition? Unbezahlbar.

Die Meinung der Fans kann schnell zum „Problem“ für den Verein werden. Spätestens dann, wenn er gegen Hoffenheim spielt. Jedem Vereinsoffiziellen läuft der Angstschweiß die Stirn herunter, wenn die Fans beginnen Spruchbänder gegen den Bundesliganeuling auszurollen oder kritische Lieder gegen den Verein zu singen. Niemand hat in der nahen Vergangenheit so das Oberhaus des deutschen Fußballs polarisiert wie die TSG Hoffenheim und ihr Finanzierer Dietmar Hopp. Der mit besten Kontakten in die DFB-Spitzen gesegnete Investor fordert bei jeder „Entgleisung“ der Fans ihm und seinem Verein gegenüber teilweise lebenslange Stadionverbote. Bei Beleidigungen gegen seine Person könne der DFB nicht tatenlos zusehen. Dass die Forderungen in der Verbandszentrale (Beleidigungen gegen Hopp werden „sportrechtlich verfolgt“) und auch bei Vereinen unterstützt oder zumindest verstanden werden, ist äußerst bedenklich. Beispiellos ist die Entrüstung, die sich regelmäßig über die „Unverbesserlichen“ ergießt, beispiellos aber auch das Modell Hoffenheim, dass es stets zu kritisieren gilt. Der größte Fußballverband der Welt sowie die DFL heißen selber das Modell gut, obwohl sich die Organisationen andererseits gegen die Aufhebung der 50+1-Regel, die ein Einsteigen vieler Investoren in den deutschen Fußball bedeuten würde, aussprechen – ein Paradoxon. In Mönchengladbach wurden in der letzten Saison die Spruchbänder „Fußballmörder“ und „Stop Hopp“ beim Aufeinandertreffen von Borussia Mönchengladbach und Hoffenheim nicht genehmigt, zu kritisch.

Populismus und Vereinfachung ist nicht immer gut und richtig, manchmal aber unumgänglich. Man kann nicht auf jedem Spruchband, in jedem Gesang die korrekteste Form einer Kritik wählen. Dass einige Lieder und Sprüche nicht die feine Art sind, ist den Fans genauso bewusst wie die Tatsache, dass im Fußball Gefühle und Emotionen eine große Rolle spielen – und Diese lassen sich durch platte Sprüche manchmal einfacher ausdrücken. Ein Strafenkatalog hilft da Keinem weiter. Er schweigt die Meinung der Fans höchstens in einem Moment still; Hauptsache, die Fans sprechen es nicht aus.

Sinnvoller wäre es, die Bedenken der Fans ernst zu nehmen und sich mit den Themen, die kritisiert werden, auseinanderzusetzen. Doch weist der erfahrene Soziologe Dieter Bott, der seit über 25 Jahren das Verhalten von Fußballfans untersucht, darauf hin, dass „das Recht, seine eigene Sicht der Dinge darzustellen, im Fußball überhaupt nicht verwirklicht ist.“

Das gilt nicht nur bei der Thematik Dietmar Hopp, sondern auch bei kritischen Spruchbändern zu Verein oder Polizei. Insbesondere die Polizei ist ein heißes Feld für Vereine. Der Club will erst mal glauben, was Polizei, Ordner und DFB sagen, da man sich nicht unbeliebt machen will oder bei Kritik an der Polizeiarbeit Angst vor der erneuten Forderung nach Kostenbeteiligung hätte – nach dem Motto: dann macht´s doch selber.

Sich zurückhalten, seine Meinung nicht mehr äußern zu wollen, Benachteiligungen fürchten müssen nicht nur Fans, sondern auch Trainer. Sie sehen wöchentlich das Ergebnis ihrer geleisteten Arbeit auf dem Feld. Dass es dabei emotional und auch rau zugeht, ist jedem Fan klar, der sich in einem Stadion aufhält. Man will es besser machen, mehr von seinem Willen umgesetzt sehen. Wenn dabei durch äußere Umstände gestört wird, reagieren Trainer wie Fans auch explosiv und emotional. Sich dabei einem Wächter, der seinen Einfluss an der Linie in den vergangenen Jahren enorm steigerte, ausgesetzt zu sehen kann nervig sein.

Das Fingerspitzengefühl der (vierten) Schiedsrichter ist allzu oft nicht vorhanden. Ein Trainer, eine Mannschaft spielt Fußball und rechnet mit der Neutralität des Schiedsrichters. Ist die Objektivität (offensichtlich) nicht gegeben, muss ein Trainer auch die Möglichkeit haben aus sich heraus zu gehen.

Dass sich ein Trainer manchmal auch zu Unrecht benachteiligt fühlt, ist ersichtlich. Jedoch stieg die Empfindlichkeit der Schiedsrichter in den letzten Jahren so stark an, dass der Ausschussvorsitzende der Schiedsrichter, Volker Roth, inzwischen meint, dass „wir keine Trainer wollen, die das Publikum verrückt machen“. Wollen wir das wirklich nicht? Nach drei hektischen Armbewegungen schon einen Mann in Schiedsrichterkleidung vor sich stehen zu haben ist völlig übertrieben, denn ein Spiel lebt auch von der Emotionalität an der Linie.

Das sieht der DFB offensichtlich anders. Jürgen Klopp will beim 2:2-Ausgleiches unseres FC ein Foul gesehen haben, verneigt sich ironisch vor dem Schiedsrichter. Direkt wird er mit bestimmender Gestik auf die Tribüne geschickt. Kritik? Unerwünscht. Viel eher schlägt der DFB wieder den Bußgeldkatalog auf. Man hat sich zu benehmen im großen Fußballgeschäft. Eine andere Meinung zu haben gefällt dem DFB nicht. Egal, ob es Fans, Trainer oder Manager sind.

Dabei sollte es dem DFB wie allen anderen Beteiligten auch um den Erhalt des attraktiven Fußballs gehen – sowohl auf den Rängen als auch auf dem Platz. Seine Freude nach einem Tor bremsen zu müssen, weil man Angst vor einer gelben Karte wegen Zeitspiel hat, spricht für die Spießigkeit, die den Fußball inzwischen teilweise einnimmt.

Es gehört dazu, dass Spieler und Trainer in guten und schlechten Momenten ihrer Mannschaft Emotionen zeigen können, ohne die Androhung einer Strafe zu erhalten.

Es gehört dazu, dass Fans ihren Emotionen durch Gesänge freien Lauf lassen und ihre Meinung frei äußern dürfen.

Nur damit ist gewährleistet, dass der Fußball so bleibt, wie wir ihn uns wünschen: ein aufregender, emotionaler Sport, mit Ecken und Kanten. Ein Sport, der die Massen elektrisiert, zu Streit anregt und Emotionen bei Allen hervorruft. Ein Volkssport eben.

Um Euch näher über das Thema informieren zu können, stellen wir Euch hier noch einige Textpassagen aus der Erklärung des Vereins zur Umstrukturierung des FC-Bretts sowie interessante Internetlinks zur Verfügung:

1. Meldung des 1. FC Köln zur Umstrukturierung des FC-Bretts:

Liebe Nutzer und Besucher von www.fc-brett.de,

wie bereits der Ankündigung bezüglich der Freischaltung neuer User-Nicks zu entnehmen war, steht die seit längerem angekündigte Umstellung des Fan-Forums des 1. FC Köln nun unmittelbar bevor.

Hierzu möchten wir ihnen nun die wichtigsten Änderungen in aller Kürze erläutern:

- Die URL www.fc-brett.de ändert sich nicht

- Zugang zum neuen Forum erhalten nur Mitglieder des 1. FC Köln sowie des Fan Projektes

- Diese Einschränkung betrifft sowohl das Verfassen von Beiträgen sowie die Leserechte im Forum

- Zur Registrierung verwenden sie bitte ausschließlich ihre bereits beim 1. FC Köln bekannte Mail-Adresse

- Die Angabe ihrer Mitgliedsnummer beim 1. FC Köln oder beim Fanprojekt ist zur Personalisierung der Registrierung unabdingbar. Bitte beachten sie: Dritte können diese Nummer nicht einsehen. Es steht Ihnen nach der Freischaltung (bitte beachten, die reine Registrierung ist nicht die Freischaltung) ihres Nicks frei, die Mitgliedsnummer durch den Eintrag von 111111 unkenntlich zu machen (Pflichtfeld, eine Ziffer muss dann eingegeben werden)

- Das Verwarnsystem wurde angepasst. Eine Nick-Sperre erfolgt nun bei Erhalt der 3. Gelben Karte. Gelbe und Rote Karten laufen automatisch aus. Ermahnungen bleiben ohne Konsequenzen. Ermahnungen und Verwarnungen werden Ihnen in Ihrem Profil detailiert angezeigt.

Die Umstellung auf das neue Forum erfolgt jetzt ( www.fc-brett.de/wbb/ ), Freischaltungen werden ab Freitagabend vorgenommen. Beachten sie bitte: Da es sich um einen Spieltag und ein Wochenende handelt, können bis zur Freischaltung ihrer Registrierung bis zu 48 Stunden vergehen.

Jede Mitgliedsnummer und jede Mail-Adresse kann nur einmal freigeschaltet werden.

Registrierte Nicks ohne gültige Mitgliedsnummer des 1. FC Köln oder des Fanprojektes werden nicht freigeschaltet bzw. wieder gelöscht. Das Mindestalter zur Nutzung des neuen Forums beträgt weiterhin 14 Jahre.

Sollten sie feststellen, dass der von Ihnen im alten Forum verwendete Nick im neuen Forum bereits vergeben ist, wenden sie sich bitte per Mail unter Nennung des betroffenen Nicks sowie der im alten Forum hinterlegten Mail-Adresse bei einem der Moderatoren. In einem derartigen Fall behält der ältere Anspruch das Recht am Nick und erhält den Vorzug vor der schnelleren Registrierung.

Ihr 1. FC Köln

2. Meldung des 1. FC Köln zur Umstrukturierung des FC-Bretts:

Liebe FC-Fans,

wir haben in den vergangenen Tagen mit großem Interesse die Reaktionen zur Umstellung des Forums entgegengenommen und die kontroverse Diskussion darüber verfolgt. Wie wir bereits am Freitag bekräftigt haben, nehmen wir Euer Feedback sehr ernst.

Daher werden wir folgende Optimierungen im neuen FC-Forum vornehmen:

1. Das Lesen aller Beiträge wird ab sofort wieder für Jedermann möglich sein.
Das heißt, auch ohne dass Ihr als Mitglied registriert seid, könnt Ihr alle Beiträge im FC-Forum lesen.

2. Wie angekündigt können demnächst auch Fans, die nicht Mitglied beim 1. FC Köln oder dem Fan-Projekt sind, im Forum aktiv sein und mitdiskutieren.
Sie müssen sich lediglich beim FC dafür online registrieren. Die Zugangsdaten werden ihnen dann postalisch zugestellt.
Den genauen Starttermin werden wir in den nächsten Tagen bekanntgeben.

Mit der Registrierung wollen wir vermeiden, dass im neuen FC-Brett weiterhin anonyme Diffamierungen gepostet werden. Dies haben leider in der letzten Zeit einige wenige User des Öfteren getan. Sie haben das Forum missbraucht, um anonyme Äußerungen zu tätigen, die deutlich unter der Gürtellinie und teilweise auch menschenverachtend waren. Um dies zu unterbinden und diesen Usern keine Plattform zu bieten, haben wir uns, unter Berücksichtigung der gültigen datenschutzrechtlichen Bestimmungen, für das „Registrierte Schreiben“ entschieden.

Es geht nicht darum, hier Zensur zu betreiben oder die freie Meinungsäußerung einzuschränken. Wir wollen weiterhin eine offene, faire und konstruktive Diskussion untereinander fördern. Deswegen haben wir dieses Forum seinerzeit auch geschaffen. Das offizielle FC-Forum besteht schon seit mehr als 10 Jahren und war nun auch technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Daher haben wir uns dazu entschlossen, Euch das neue Forum anzubieten.

Das neue Forum bietet eine Menge neue Features, die der Anfang für weitere Optimierungen und Neuerungen für die FC-Community sind. Um bei der weiteren Verbesserung der Online-Plattform auch Euren Geschmack zu treffen und auf Eure Ideen einzugehen wird es in Kürze eine Art Chat geben, in dem wir gemeinsam konstruktiv miteinander diskutieren und das weitere Vorgehen zusammen abstimmen.

Denn eins sollt Ihr wissen: Wir wollen ein Forum/eine Community für und mit Euch! Bei weiteren Fragen stehen wir Euch gerne unter den bekannten Kontaktdaten zur Verfügung.

Euer
1. FC Köln
Christopher Lymberopoulos und Rainer Mendel

FC-Stammtisch, 01.02.2010, Teil 3, “FC-Brett”:

http://www.ksta.de/portal/videos/index.php?bcpid=14306381001&bclid=3633840001&bctid=64430468001

11Freunde-Artikel zur Umstrukturierung des FC-Bretts (vor der erneuten Umstellung des Systems):

http://www.11freunde.de/bundesligen/127378/zugang_nur_fuer_kunden

Beitrag der NDR-Sendung ZAPP zum Thema “Eingeschränkte Meinungsfreiheit – Fußballvereine kontrollieren Fan-Transparente”:

http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/boulevard_gesellschaft/meinungsfreiheit100.html

http://www.youtube.com/watch?v=deBY1YniM5Y

Volkssport Fußball

Volkssport am 16. November 2009 um 22:19

In einigen der vergangenen Schwaadlappe-Ausgaben konntet Ihr bereits den Begriff „Volkssport Fußball“ lesen. Aus einer losen Idee entwickelte sich nun eine von uns (WH) ins Leben gerufene Initiative. Unter dem Slogan „Fußball als Volkssport erhalten“ werden wir Euch in Zukunft über relevante Themen des gesamten Fußballbereichs informieren. Wie der Name schon sagt, geht es uns dabei darum, den Fußball als den Sport, den wir so sehr lieben, zu wahren.
Dazu werden wir alle möglichen Themen, die den Volkssport schneiden, beleuchten und diskutieren. Wir wollen auf Probleme und Schwierigkeiten aufmerksam machen, die sich in den letzten Jahren rund um „des deutschen liebstes Kind“ entwickelt haben, welche Chancen es gibt und welche sich ergeben können, um eben jene Probleme lösen zu können. Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir in besonderem Maße für etwas sind. Für den Erhalt unseres geliebten Sports. Für seine Traditionen und Werte. Wir wollen nicht nur gegen etwas sein, konkret „gegen den modernen Fußball“, sondern wir sind „für den Erhalt des Fußballs als Volkssport“, wollen das ganze positiv und mit Inhalten besetzen! Es wird also unsere Aufgabe sein darzustellen, was den Volkssport ausmacht, wie er zu dem geworden ist, was er ist (oder einmal war) und wo die Grenze liegt zwischen dem Volkssport Fußball und dem modernen Fußballspiel.

Da sich das Themenfeld „Volkssport Fußball“ über eine große Bandbreite erstreckt, möchten wir es nicht nur im Schwaadlappe beleuchten, sondern auch auf andere Weise darstellen: unter www.volkssport-fussball.de werden wir in Zukunft neben der Sammlung aller im Schwaadlappe erschienenen Texte bezüglich dieser Thematik weitere Hintergrundinformationen in Text- und kreativer Form zusammenstellen. Ferner möchten wir im Stadion auf die Initiative aufmerksam machen, indem wir Spruchbänder zu Themen aus dem Bereich „Volkssport Fußball“ präsentieren. In unserem Fanzine „Mentalita Kölsch“ wird das Thema ebenso eine Rolle spielen.
Zufälligerweise fällt die Bekanntgabe der Initiative „Volkssport Fußball“ auf unser Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim. Es gab in den letzten zwei Jahren wohl kaum ein Thema, das den Fußball und seine Szene mehr polarisierte als der Retortenverein aus dem Kraichgau. Wir haben uns daher dazu entschlossen, nach dem Spiel einen Marsch unter dem Motto „Fußball als Volkssport erhalten“ zu veranstalten. Startschuss wird gegen 17:50 Uhr hinter der Südkurve sein, bevor wir Richtung Radstadion aufbrechen werden. Geschmückt wird der Marsch mit einem Banner mit jenem Spruch. Darüber hinaus seid auch Ihr herzlich dazu aufgerufen, Euch Slogans und Sprüche zu dem Thema auszudenken, diese auf Stoff zu bringen und im Zuge des Marsches zu präsentieren. Im Schwaadlappe ist dazu noch ein gesonderter Aufruf formuliert.
Es geht uns bei dem Marsch und der Sache an sich darum zu belegen und darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Wahrung der Fußballtraditionen, die Wahrung ehrlicher Werte in diesem Sport und der Belange der wahren Fans ist.

Dass Fußball der beliebteste Sport ist, mag unbestritten sein. Aber es gibt wohl auch kein „Hobby“, über das und in dem über verschiedene Meinungen so viel gestritten und debattiert wird.
Der Fußball hat sich in den vergangenen 50 Jahren in allen, ob im sportlichen, geschäftlichen, fanrelevanten oder im gesellschaftlichen, Bereich rasant weiterentwickelt.
Das Fußballspiel wurde attraktiver, da bessere Trainingsbedingungen, bessere Vereinsinfrastruktur, besseres taktisches Verständnis und nicht zuletzt mehr bessere Spieler den Sport prägten.
Durch gesteigerte Einnahmen in allen Bereichen, ob Werbung, Spielertransfers, Eintrittkarten oder Fernsehgelder sowie durch moderne Stadien wurde der Sport professioneller und für die Medien attraktiver.
Durch die Entwicklung der Fanszenen, wenn man sie vor 30 oder 40 Jahren schon so nennen konnte, wurde der Fußball zu einer Marke. Ohne Fans keine Stimmung, ohne Stimmung und Fans keine Beachtung in der Gesellschaft. Durch Fanclubs und Ultragruppierungen erhielten die Kurven im Lande eine Struktur, die gute Stimmung, ansprechende Choreos und Meinungsäußerung der Fans ermöglichten.
Und eben wegen der Fans, der Professionalität und sportlicher Erfolge in allen möglichen Regionen und auch auf europäischer Ebene entwickelte sich der Fußball auch hierzulande zum Volkssport Nr. 1!
Aber mit jeder Entwicklung wachsen auch Nachteile und Probleme. Weil wir diesen Sport mit allem, was dazu gehört, so lieben, müssen wir auch alles Mögliche tun, um Probleme zu beseitigen, oder zumindest zu bekämpfen.

Natürlich freuen wir uns, wenn am Ende eines Jahres schwarze Zahlen im Geschäftsbericht stehen. Aber ist das alles? Diese kommen nämlich unter anderem auch durch eine Ablösesummenspirale zu Stande, die sich ins Unermessliche zu drehen scheint. Bleibt der Fußball volksnah, wenn es Spieler gibt, die eine feste Ablösesumme von einer Milliarde Euro haben? Braucht der Fußball Berater, die nicht zwangsläufig das Beste für den Spieler, sondern vor Allem auch mehr Geld verdienen wollen?
Braucht ein Verein Topspielzuschläge und ein Stadion unbedingt nur Sitzplätze? Ist eine Medienlandschaft, die keinen Fehler verzeiht und aus jeder Mücke einen Elefanten macht, von Nöten?
Da all das nicht nur auf unseren Verein, den 1. FC Köln, zutrifft, liegt uns daran, dass die ins Leben gerufene Initiative deutschlandweite Aufmerksamkeit bekommt. Es liegt an allen Vereinen, Negativspiralen zu stoppen und Schaden vom Volkssport Fußball abzuwenden!
Die angestoßenen Fragen gilt es nun zu beantworten. Von daher bitten wir Euch, weiterhin aufmerksam den Schwaadlappe zu lesen, regelmäßig die Internetseiten www.volkssport-fussball.de und www.wh96.de zu besuchen und auf die Spruchbänder im Stadion zu achten, welche wir zu diesem Thema präsentieren werden. Wie oben bereits erwähnt, rufen wir Euch kurzfristig noch einmal dazu auf, am Fanmarsch nach dem Heimspiel gegen Hoffenheim teilzunehmen!

Fußball als Volkssport erhalten!!

Warum 50+1 bleiben muss

Volkssport am 29. Oktober 2009 um 00:17

Mit dem nächsten Gegner Hannover 96 kehrt auch ein Thema ins Müngersdorfer Stadion zurück, das für die aktive Fanszene von enormer Bedeutung ist. Hannovers Vorstandsvorsitzender Martin Kind beantragte Mitte Oktober bei der Deutschen Fußball-Liga die Aufhebung der so genannten „50+1“-Regelung. Diese Regelung schreibt den Bundesligisten vor, dass der Stammverein mindestens 50% + eine Stimme an der Lizenzspielerabteilung halten muss.

Mit dieser satzungsgemäßen Sicherung der Mehrheit an ihren eigenen Kapitalgesellschaften soll der Einfluss externer Investoren eingedämmt werden. Um die Vereine aber interessanter für eben jene Investoren zu gestalten, ähnlich wie dies zum Beispiel in England der Fall ist, kämpft Kind seit Jahren dafür, die bestehende Regelung zu kippen und durch andere Vorschriften ersetzen zu lassen. Am 11. November haben die Manager der Profiklubs die Wahl: Sollte dies in den Gremien der DFL und des DFB nicht mit der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit geschehen, kündigte Kind bereits jetzt schon den Gang zu den höchsten europäischen Gerichten an, um die seiner Ansicht nach gegen EU-Recht verstoßende Regelung zu Fall zu bringen. Interessant ist hierbei sicherlich die Tatsache, dass Kinds angedachte Einrahmungen der Investionsfreiheit, zum Beispiel durch längere Haltefristen oder örtliche Gebundenheit der Investoren, wohl vor einem EU-Gericht ähnlich geringe Chancen hätten, wie die derzeitige Regelung.

Sturmreife Festung dank stumpfem Schwert

Dennoch: Die Festung „50+1“ ist in der letzten Dekade Schritt für Schritt sturmreif geschossen worden: Mit Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg spielen mit dem Pharmariesen Bayer und dem Automobilgiganten Volkswagen zwei schwergewichtige Konzerne in der Bundesliga. Weder in Leverkusen noch in Wolfsburg halten die Vereine auch nur ein Prozent an sich selber, sie sind in beiden Fällen 100%ige Töchter des Konzerns. Aus Sicht vieler ist dies von Seiten des DFB akzeptierte und praktizierte Wettbewerbsverzerrung. Heribert Bruchhagen, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurts sowie im Vorstand der DFL, bezeichnete dies im Rahmen einer Diskussion über die „50+1-Regelung“ als „Sündenfall Leverkusen und Wolfsburg“, der nicht wiederholt werden sollte. Mit dem kometenhaften Aufstieg der Hoffenheimer wurde die Debatte über diese Art von Wettbewerbsverzerrung wieder angeschoben: De facto hält der Investor Hopp „nur“ 49% des Konstruktes Hoffenheim, dennoch ist er die unumgängliche Instanz in allen Fragen. Sogar bei Spielertransfers ist er als Finanzier in der Öffentlichkeit der gefragte Mann, welcher über Wohl und Wehe diktiert. Hier wird auf offensichtlichste Art und Weise das existierende Prinzip „50+1“ an der Nase herumgeführt. Mit RB Leipzig steht ein weiterer Härtefall vor der Tür der DFL. Um Investitionen außenstehender Personen oder Konzernen nicht zu gefährden, haben die Institutionen „50+1“ zu einem stumpfen Schwert verkommen lassen.

Der Einwand liegt hier auf der Hand: Warum nicht Chancengleichheit für alle und die Abschaffung der Regelung? Die Kritikpunkte sind so simpel wie auch oft genug wiederholt: Die Öffnung für weitere externe Investoren hätte laut FC-Geschäftsführer Claus Horstmann ein „Rattenrennen“ zur Folge. Im Kölner Stadt-Anzeiger äußerte er seine Bedenken gegenüber dem Aufheben der „50+1“-Regelung: „Die Vereine würden sich verkaufen – und am Ende würden die großen Vereine früher an Geld kommen und zudem auch noch höhere Beträge erwirtschaften – und wenn am Ende das Geld der Investoren aufgebraucht sei, habe man nicht nur den Abstand zwischen reichen und weniger reichen Klubs weiter vergrößert. Sondern auch nichts erreicht: Das finanzielle Niveau der Top-Klubs sei zwar für kurze Zeit gehoben worden, würde aber die Etats nicht dauerhaft stärken.“ Damit spricht Horstmann zwar nicht aus der Sicht eines Fans, sondern eines wirtschaftlich denkenden Vereinsfunktionärs, doch er trifft damit den (zumindest rationalen) Kern des Problems.

Des Weiteren kann es nicht im Sinne der aktiven Fans sein, den Verein zu einem Spielzeug eines Vermögenden zu degradieren. Hierbei ist besonders die Abhängigkeit von den Launen einer einzelnen Person zu bedenken. Macht ihm sein Spielzeug nicht mehr den einst erwarteten Spaß, so kann die Herrlichkeit schneller vorbei sein, als Hennes „määäh“ sagen kann. Doch auch wenn selbst dies gegeben sein sollte, ist der Verein nicht davor gefeit, für das Verschulden anderer die eigene Existenz bedroht zu sehen. Dem AZ Alkmaar zum Beispiel droht aufgrund der Insolvenz der Muttergesellschaft, die von der Bankenkrise massiv getroffen wurde, unverschuldet die eigene Insolvenz. Ein weiterer, aus Sicht der Fans wichtiger Kritikpunkt sei an dieser Stelle noch hinzugefügt: Ein Investor bringt sich nicht aus reiner Menschenliebe in einen Verein ein – er möchte für sein Geld Gegenleistungen sehen. Sei es eine mächtige Position mit viel Ansehen an der Spitze des Vereins oder eine Rendite, die der Verein abwerfen soll: Um letzteres zu ermöglichen, müssen sich die Fans auf entsprechende Folgen einstellen. Die bedingungslose Liebe zu „seinem“ Verein würde wohl auf die harte Probe einer verschärft kommerziellen Vereinspolitik gestellt werden.

Abenteuerspielplatz für Neureiche

Gerade um die Folgen einer investorfreundlichen Politik abzuzeichnen, eignet sich mit England das ab- und erschreckende Beispiel für alle diejenigen, denen der Erhalt der 50+1-Regelung am Herzen liegt: Die stolze Premier League ist zum Abenteuerspielplatz von neureichen Investoren degeneriert. Waren es früher teures Gepränge, schnelle Autos, große Yachten oder beeindruckende Gebäude, mit denen sich geschmückt wurde, so scheinen heute die britischen Fußballvereine die Trumpfkarte in einem wahnwitzig anmutenden Schwanzvergleich zwischen US-amerikanischen, russischen und arabischen Milliardären zu sein. Gewiss: Die sportliche Qualität der Premier League, das internationale Ansehen und die Wettbewerbsfähigkeit in den internationalen Wettbewerben – all dies wurde durch das Einfließen externer Gelder erhöht. Es gab Saisons, da verhinderte nur das direkte Aufeinandertreffen von Manchester United und Konsorten ein rein englisches Champions-League-Halbfinale.

Doch zu welchem Preis? Die Antwort: Totale Kommerzialisierung. Was in Deutschland noch in der Entwicklung steht, ist auf der Insel bereits etablierte Realität. Völlig in Stücke geschnittene Spieltage, das Pay-TV hat Exklusivrechte, die Zusammenfassungen der Spiele kommen erst spät am Wochenende. Die Liga hat einen Sponsor, sogar der Ball hat einen. Die Preise für Eintrittskarte sind (besonders im Vergleich zur deutschen Liga) exorbitant hoch, so dass die Unterstützung seines Vereins einen aktiven Fan beinahe an den Rand des Ruins treibt. Mitunter kommt ein Stadionbesuch in Deutschland (Billigflug plus Stadionticket) deutlich günstiger als das Pendant auf der Insel. Diese Preispolitik hat natürlich Nebenwirkungen: Die einst als Stimmungsvorbild gepriesene Stadienszenerie ist in England zum Erliegen gekommen. Eine Veränderung der Publikumsstruktur sowie deren stetig fortschreitende „Vergreisung“ hat aus den Hexenkesseln Theatersäle gemacht.

50+1 muss bleiben – für uns Fans!

Gerne werden die sportlichen Erfolge englischer Vereine in internationalen Wettbewerben dazu genutzt, die Öffnung der Vereine für externe Investoren zu propagieren, jedoch wird dabei die unterschiedlichen Traditionen des englischen und deutschen Fußballsystems völlig außer Acht gelassen. Während in England schon Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts die Mehrzahl der Klubs als Firmen organisiert waren, weil sich eben damit leichter Investoren für den Unterhalt teurer Spieler finden ließen, ist die Tradition in Deutschland eine ganz andere. Fußball war schon seit jeher der Sport des einfachen Mannes, ein Volkssport für alle. Dies muss in den Überlegungsprozess, der sich mit dem Erhalt beziehungsweise der Abschaffung der 50+1-Regelung beschäftigt, unbedingt einfließen. Dazu gehört auch, die bestehende Regelung endlich konsequent umzusetzen und damit auch die „Sündenfälle Leverkusen/Wolfsburg“ wieder zu begradigen sowie neue a la Hoffenheim und Leipzig nicht weiter zu fördern.

Gerade aus Sicht der aktiven Fans, die ihrem Verein lebenslang die Treue halten, ist eine fortschreitende „Enteignung“, die bereits durch die Ausgliederungen der Profiabteilungen aus den Vereinen begonnen hat, nicht zu akzeptieren. Die Öffnung der deutschen Vereine für externe Investoren stellt wahrlich nicht das Öffnen der Büchse der Pandora dar, jedoch würde dadurch eine fanfeindliche, extrem kommerziell ausgerichtete Strömung in Deutschlands Fußball weiter an Auftrieb gewinnen. Dies gilt es aus unserer Sicht mit aller Macht zu verhindern. Fußball soll Volkssport bleiben – und nicht denjenigen vorbehalten sein, deren Brieftasche größeren Umfangs ist.

Der Kampf geht weiter – 50+1 muss bleiben!!!

Dachverband der aktiven Fanclubs des 1. FC Köln e.V.