Einstieg von Red Bull in Leipzig

Ein Thema, das von den Medien in der Sommerpause eher am Rande behandelt wurde, war der Einstieg des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull beim fünftklassigen SSV Markranstädt. Der Verein aus einem Leipziger Vorort trat sein Startrecht in der Oberliga ab und am vergangenen Samstag ging der neue Verein RB Leipzig erstmals auf Punktejagd. RB steht dabei offiziell nicht für Red Bull sondern für Rasen Ballsport, allerdings ist die gewünschte Assoziation des Vereinskürzelsmit dem Brause-Konzern selbstverständlich gewünscht. Notwendig wird diese Namensgebung aufgrund einer Vorschrift des DFB, nach der lediglich Sponsoren im Vereinsnamen vorkommen dürfen, wenn dies auf eine traditionelle und langjährige Verbindung zurückzuführen ist, wie im Falle von Carl-Zeiss Jena zum Beispiel.

Die zweite Mannschaft aus Jena war der erste Gegner der neu geschaffenen Mannschaft aus dem Leipziger Landkreis, das Spiel endete mit einem 1:1 und wurde von Protesten der FCC-Fans begleitet. Nach den Plänen von Red Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz, soll RB Leipzig in naher Zukunft gegen die erste Mannschaft aus Jena antreten und mittelfristig soll im Leipziger Zentralstadion dann Bundesligafußball geboten werden. Die Namensrechte am WM-Stadion hat sich der Salzburger Konzern ab 2010 übrigens für 20 Jahre gesichert. Momentan spielt der Verein noch im „Stadion am Bad“ in Markranstädt, doch im kommenden Jahr wird der Verein nach Leipzig umziehen.

Die bevölkerungsreichste Stadt der neuen Bundesländer war bereits über einen längeren Zeitraum Ziel dieser Marketingstrategie, allerdings scheiterte ein Einstieg beim FC Sachsen Leipzig u.a. aufgrund monatelanger Proteste der Fans und den Bedenken des DFB. Ähnlich wie beim SV Austria Salzburg sollte die Tradition der ehemaligen BSG Chemie Leipzig (DDR-Meister: FC vs. VfL Wolfsburg – Schwaadlappe Nr. 39 · FC vs. VfL Wolfsburg – Schwaadlappe Nr. 39 · 1951, 1964, FDGB-Pokalsieger: 1966) ausgelöscht werden und der Verein zu einer reinen Werbemarionette verkommen. Neben der BSG Chemie ist Leipzig auch die Heimat des 1. FC Lokomotive Leipzig. Der ehemalige Europapokalfinalist, dessen Vorgängerverein VfB erster Deutscher Meister war, trifft am siebten Spieltag auf RB Leipzig. Bei diesem Spiel wird es im Zentralstadion zu einem ersten direkten Aufeinandertreffen der großen Leipziger Fußballtradition mit dem neu geschaffenen Werbekonstrukt kommen. Diese große Tradition und die Lage im Gebiet der ehemaligen DDR machten den Standort so attraktiv für diesen Einstieg.

Der ostdeutsche Fußball kränkelt seit der Wiedervereinigung und besonders in einer Stadt wie Leipzig sehnen sich die Menschen nach höherklassigem und erfolgreicherem Fußball. Dieses Kalkül veranlasste auch Red Bull einen Investitionsrahmen von angeblich bis zu 100 Millionen Euro zu veranschlagen. Allerdings werden zu Summen und Zahlen keine konkreten Angaben gemacht, eine Methode die auch bei Dietmar Hopps Investitionsobjekt aus Hoffenheim zu den gängigen Praktiken zählt. Wahrscheinlich würde die Bekanntgabe der tatsächlich investierten (Un-)Summen in der Öffentlichkeit Sympathien schmälern. Doch die Transfers der Spieler Neuhaus, Kläsener und Hertzsch vom Zweitligisten Augsburg zu RB machen deutlich, in welcher Relation dem Fünftligisten finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Die Gesetzmäßigkeiten des Fußballs werden an diesem Punkt ausgehebelt und ein weiterer Verein aus der Retorte bahnt sich seinen Weg in höhere Klassen. Im Seniorenbereich konnte sich Red Bull den Startplatz des SSV Markanstädt erkaufen, allerdings blieben die Jugendabteilungen unter dem Dach des SSV Markranstädt und die benötigten Startplätze und Mannschaften wurden kurzerhand beim insolventen FC Sachsen eingekauft. Der Betrag von 100.000 Euro erscheint vor dem Hintergrund der mittelfristigen Ziele des neuen Vereins dann doch eher erbärmlich.

Die Zielvorgaben und Vorstellungen aus der Konzernzentrale in Salzburg sind dann auch der primäre Inhalt hinter dem gesamten Gebilde. Im Prinzip versucht Red Bull mit seinem Engagement im Fußball seine Marke bzw. sein Getränk noch weiter in der Mitte der Gesellschaft zu positionieren. Über gewachsene Traditionen und Strukturen im Volkssport wird sich dabei ohne Gewissen hinweggesetzt. Denn eben diese Traditionen sorgen zu einem beträchtlichen Teil für die Leidenschaft, Emotionen und die Begeisterung, die diesen Sport zu solch einem hohen gesellschaftlichen und kulturellen Gut gemacht haben. Eben diese Tatsache will sich Red Bull zu Nutze machen und den Stand des Volkssportes in der Gesellschaft nutzen, dass Vereine in diesem Plan eine untergeordnete Rolle spielen, wird billigend in Kauf genommen. Der Verein dient lediglich als Hülle des Sponsorings und wird praktisch zu einem Teil des Konzerns. So sollte das Logo des neuen Vereins fast 1:1 dem Logo der Getränkemarke entsprechen, wogegen der Sächsische Fußballverband dann allerdings doch Einspruch aufgrund der zu deutlichen Assoziation mit dem Sponsor einlegte. Zwar findet sich jetzt auf den Trikots kein Wappen, aber als Sponsor auf der Brust kann Red Bull natürlich trotzdem in Erscheinung treten. Die Auswirkungen einer solchen Entwicklung sind bereits heute im Profifußball zu erkennen.

Vereine wie der VfL Wolfsburg oder die TSG Hoffenheim bestimmen das Bundesligageschehen mit und es scheint wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis weitere Konzerne oder Einzelpersonen solch eine Einflussnahme im Fußball anstreben. Ein Beispiel für solche Geschäftspraktiken lieferte der Unternehmer Michael Kölmel.

Der Betreiber des Zentralstadions steht dem Einstieg Red Bulls sehr positiv gegenüber und erhofft sich endlich eine rentable Auslastung seiner Arena. Vor einigen Jahren sorgte Kölmel mit seiner Kinowelt AG bzw. der Sportwelt Beteiligungs GmbH im deutschen Fußball für Furore, als er erfolglosen Traditionsvereinen finanzielle Unterstützung zusicherte und ihnen somit zum Sprung in den Profifußball verhelfen sollte. Die meisten Vereine fanden sich anschließend in noch prekäreren Situationen wieder und haben heute noch mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Der SV Waldhof Mannheim stand u.a. aufgrund dieser Vorgeschichte schon mehrfach vor dem finanziellen Aus. Persönlich erhielt Kölmel wegen Untreue und vorsätzlicher Insolvenzverschleppung eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten und eine Geldstrafe in Höhe von 126.000 Euro.

Dass solche Menschen dem Fußball über kurz oder lang schaden und mit ihrer Profitgier und persönlichen Interessen dem Spiel die Seele rauben, liegt auf der Hand. Eine Bundesliga dominiert von Clubs, deren primäre Ausrichtung einzig und allein auf eine erfolgreiche Markenpositionierung zielt, ist unter keinen Umständen erstrebenswert. Vereine sind keine Konzerne, sondern stehen stellvertretend für die Millionen Menschen, die mit Leib und Seele an ihnen hängen. Ein Fußballclub ist auch immer eines der Aushängeschilder seiner Stadt oder seines Stadtteils. Wenn diese Funktion für die Interessen eines Konzerns in den Hintergrund gerät, dann ist dies sehr bedenklich für die weitere Entwicklung des Fußballs.

Einen anderen Weg gingen die Fans der beiden großen Leipziger Vereine. Nachdem der VfB Leipzig Insolvenz angemeldet hatte und sich vom Spielbetrieb abmelden musste, gründete die aktive Fanszene den Verein unter dem alten Namen aus DDR-Zeiten FC Lokomotive Leipzig neu. Ein Beispiel wozu Fans aus Liebe und Leidenschaft in der Lage sind, vor allem spielt besagter Verein mittlerweile wieder in der Oberliga im oberen Tabellendrittel. Auch unter den aktiven Fans des FC Sachsen rund um die Ultrà-Gruppierungen Diablos Leutzsch hegte sich gegenüber der Vereinsführung immer größerer Unmut, der im vergangenen Jahr dazu führte, dass die Fans einen neuen Verein unter dem traditionellen Namen BSG Chemie Leipzig mit der Heimat im Stadtteil Leutzsch gründeten.

Zwei Projekte die deutlich zeigen, was Leidenschaft und Liebe bewegen können. Natürlich schlagen diese Emotionen oft auch in die andere Richtung aus und die Rivalität zwischen den Anhängern beider Clubs gilt als eine der erbittertsten in Deutschland, auch RB Leipzig erhielt schon Gegenwind von den Fans beider Vereine. Von Unbekannten wurde z.B. der Rasen in Markranstädt mit Hilfe einer Chemikalie unbespielbar gemacht, in den Medien war auch die Rede von Androhungen tätlicher Angriffe gegenüber den Spielern des neuen Clubs, was u.a. zu Absagen von Testspielen führte. Natürlich schlagen solche Aktionen auch teilweise über die Strenge und liefern den Befürwortern des Projektes weiteren Vorschub, aber die Ablehnung gegen Red Bull in Reihen der Fußballfans lässt sich auch sachlich fundieren und wir hoffen, dass wir Euch mit diesem Text einen kritische Sichtweise auf das gesamte Konzept eröffnet haben.

Neue Farben, keine Tradition gab es auch in Salzburg schon! Red Bull verpiss dich! Der Fußball gehört uns!

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