Erhöhung der Kartenpreise

In der letzten Ausgabe des Schwaadlappe äußerten wir Kritik an der aktuellen Kartenpreispolitik unseres Fußballclubs, doch natürlich ist uns klar, dass sich diese Problematik nicht ausschließlich auf unser Müngersdorfer Stadion beschränkt. Reist man dem FC regelmäßig in die Stadien der Republik hinterher, wird man mit den Preisen bei den übrigen Bundesligisten zwangsläufig konfrontiert. Ein besonders extremer Fall dieser Preisentwicklung spielte sich in Hamburg ab. Im Flyer der örtlichen Ultrà-Gruppierung „Chosen Few“ lasen wir von Kartenpreisen bis zu 97 Euro beim Derby gegen Bremen in der vergangenen Saison. In den Führungsetagen der Vereine lässt sich die Erhöhung der Preise auf die einfache marktwirtschaftliche Formal zurückführen, dass Nachfrage und Angebot den Preis regeln.

Die Nachfrage nach Fußball ist in unserer Gesellschaft momentan ungebrochen. Im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft erlebte der Volkssport eine neue Renaissance und fast jeder Bundesligist vermeldete Rekorde beim Verkauf von Dauerkarten und die Zuschauerschnitte in Deutschland suchen Ihresgleichen in Europa und auf der Welt.

Eine gestiegene Nachfrage nach dem Produkt Fußball rechtfertigt also die erhöhten Eintrittspreise. Fußball reduziert auf den Status eines Produktes wie Jogurt im Supermarktregal!?! Wir werden diese Entwicklung weiterhin kritisch begleiten und innerhalb unserer Möglichkeiten dagegen vorgehen. In Kreisen der aktiven Fans wird oftmals vom modernen Fußball und dessen Ablehnung gesprochen, wir wollen die einzelnen Aspekte noch deutlicher herausstellen um im Anschluss unsere Kritik mit Leben und Inhalten zu füllen. In Zukunft werden wir im Schwaadlappe diese Rubrik regelmäßig mit den unterschiedlichsten Inhalten füllen, ihr dürft also gespannt sein. Sicherlich haben wir die unterschiedlichsten Themen bereits in der Vergangenheit häufig in unseren diversen Publikationen zum Thema gemacht und die eine oder andere inhaltliche Überschneidung wird sicherlich nicht zu vermeiden sein, allerdings hat dieses Thema sowohl für uns als auch für die aktive Fanszene in Köln einen so hohen Stellenwert eingenommen, dass wir in Zukunft vermehrt einzelne Punkte beleuchten werden. Natürlich werden wir aktuelle Entwicklungen und Ereignisse aufgreifen, aber auch den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen. Ihr dürft also gespannt sein, was in den nächsten Ausgaben auf Euch zu kommen wird.

Wie bereits erwähnt, dreht sich der erste Teil unserer Reihe noch einmal um die Erhöhung der Kartenpreise. Die teuerste Tageskarte für das heutige Heimspiel kostet 58 Euro, ein stolzer Preis für den Besuch eines Heimspieles des sieglosen Tabellenletzten. Der Protest hält sich jedoch in Grenzen bzw. äußert sich in Köln kaum. Die Dauerkartenpreise für FC Mitglieder sind in den Blöcken der teuersten Preiskategorie (W13-W16, O4, O5, O13-O16) im Vergleich zur letzten Saison um 16,51% gestiegen, unter Berücksichtigung der Steigerung nach dem letztmaligen Aufstieg in Höhe von 18,48% , ergibt sich eine Erhöhung der Preise von 175 Euro innerhalb von zwei Spielzeiten.

Sicherlich haben sich die Preise aufgrund der ständigen Aufund Abstiege unseres Vereins relativ lange auf einem konstanten Niveau bewegt, aber die momentane Entwicklung stimmt uns doch sehr nachdenklich.

In der vergangenen Saison konnte Michael Trippel eigentlich  bei jedem Spiel ein ausverkauftes Haus vermelden, aber bei den ersten beiden Heimspielen der noch jungen Saison blieben einige Plätze im Müngersdorfer Stadion leer. Natürlich lag dies auch an den mitgereisten Gästefans. Während der Werksverein aus Niedersachsen nicht annähernd 1.000 Fans mit nach Köln brachte und für leere Plätze im Gästeblock sorgte, stellte sich die Situation gegen die Frankfurter Eintracht etwas anders dar. Setzten die Hessen in den vergangenen Jahren ihr Kontingent von 5.000 Karten bereits im Vorfeld der Partie problemlos ab, gingen beim diesjährigen Aufeinandertreffen sogar Karten zurück nach Köln. Die Begründung für diesen Vorgang liegt auf der Hand. Die Preise waren einfach zu hoch. Eine reguläre Stehplatzkarte ohne Ermäßigung kostet im Müngersdorfer Stadion mittlerweile bei einem Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt 16 Euro. Seit der Saison 2004/2005 sind die Preise für eine Dauerkarte in den Blöcken S1-S6 um 45% gestiegen und in diesen Zeitraum von fünf Jahren fiel neben zwei Aufstiegen auch ein Abstieg und eine zweijährige Phase in der 2. Bundesliga.

Doch die ersten Anzeichen, dass die Preisspirale vielleicht überdreht sein könnte, zeigten sich als auf West- und Osttribüne in den vergangenen beiden Heimspielen einige Plätze leer blieben. Prinzipiell ist es natürlich so, dass derjenige Eintritt ins Stadion erhält, der bereit ist den höheren Preis zu zahlen, und im Großen und Ganzen scheint dieses Konzept auch aufzugehen. So betrug die Auslastung bei den ersten beiden Spielen trotz einiger leerer Plätze über 90% und gibt den Verantwortlichen in ihrer Ausrichtung sicherlich Recht. Eine Rechtfertigung basierend auf den Zusammenhängen der Marktwirtschaft. Es liegt uns fern, diese Zusammenhänge neu zu definieren und eine Kritik am System der Marktwirtschaft würde mit Sicherheit den Rahmen sprengen, zudem sind die unterschiedlichen Ansichten zu diesem Thema auch schwer zu vereinbaren, aber wir gelangen zurück zum Ausgangspunkt unserer Kritik. Lässt sich Fußball, lassen sich Fußballvereine auf einen Markt und auf Unternehmenreduzieren?

Wir sagen, dass Fußball im Allgemeinen und unser 1. Fußballclub im Speziellen weitaus mehr sind!

Leer gebliebene Plätze und Fans, die sich den Besuch im Stadion nicht mehr leisten können, verbuchen die Chefetagen der Bundesliga vielleicht als Kollateralschäden, doch für uns stellt dieser Vorgang einen Einschnitt dar, der den Fußball weiter von seiner ursprünglichen Basis entfernt und dem Spiel auf Dauer seinen Charakter raubt. Über Jahrzehnte war dieser Sport die schönste „Nebensache“ der Welt und für viele Menschen ein beträchtlicher Teil ihres Lebens und Ihrer Lebensgestaltung.

Die Bezeichnung als Volkssport Nr. 1 kommt nicht von ungefähr, doch auch wenn die Zuschauerschnitte weiter alle Rekorde brechen und die Massen weiterhin in die Stadion pilgern, liegen gravierende Veränderungen vor. Fußball ist zu einer Unterhaltungsindustrie verkommen und das Spiel im Stadion ist nur noch ein Teil des gesamten Events.

Ein Großteil der Zuschauer hat sein Gespür für die 90 Minuten auf dem Rasen scheinbar gänzlich verloren und die eigene Unterhaltung steht im Vordergrund. Vorschnelle Pfeifkonzerte und eine schlechte Stimmung sind Folgen dieser Entwicklung, die keiner leugnen kann.

Im Zuge der Euphorie, die rund um die WM 2006 entstand, werden Preiserhöhungen oder Änderung der Anstoßzeiten und Zerstückelung der Spieltage von einer gewissen Masse hingenommen, da ein Stadionbesuch momentan auf eine gewisse Art und Weise ein Statussymbol darstellt. Um uns jetzt einiger wirtschaftlicher Zusammenhänge zu bedienen, bleibt die Frage, wann der Markt übersättigt ist und dem eingeschlagenen Weg Tribut gezollt werden muss.

Die ersten Anzeichen sind am Horizont zu erkennen und die Kritik aus Kreisen der Fans, denen etwas an ihrem Verein und dem Sport liegt, wird lauter. Bleibt abzuwarten, ob und wann ein Umdenken in den Kreisen der Verantwortlichen einsetzt. Fußball ist Kulturgut und darf nicht bis ins letzte Detail den wirtschaftlichen Zwängen der freien Marktwirtschaft unterworfen werden.

Fußball als Volkssport erhalten!

Die Kommentarfunktion ist derzeit geschlossen.